Was versteht man unter Demenz?

Die Demenz ist in den meisten Fällen mit einer diagnostizierbaren Gefäßerkrankung des Gehirns nachweisbar. Teile des Gehirns werden schwächer oder nicht mehr durchblutet, oder sind bereits abgestorben. Vorwiegend ist das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache, die Motorik und in einigen Fällen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Das Bewusstsein ist nicht getrübt.

Heute ist die Demenz keine Alterskrankheit mehr, auch jüngere Menschen sind bereits betroffen. Für eine ärztliche Diagnose müssen die Symptome mindestens 6 Monate gleichbleibend bestanden haben.

Ungefähr 1,3 Millionen Menschen leiden an der Erkrankung Demenz. Im Jahre 2050 sollen es laut Statistiken ca. 3 Millionen sein, wobei das immer höher werdende Lebensalter eine große Rolle spielt.

Die Demenz ist nicht heilbar. Im Anfangsstadium kann mit speziellen Medikamenten der Krankheitsverlauf verzögert werden. Die Patienten sterben nicht an der Demenz, sondern an den Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel an Infektionen und der körperlichen Auszehrung!

Symptome der Demenz

Die Demenz ist ein erworbenes Krankheitsbild mit verschiedenen Symptomen. Wobei ein Patient nicht alle Symptome gleichzeitig haben muss. Einige Störungen sind mehr ausgeprägt und andere kommen nicht zum Tragen, das liegt immer daran, welche Gehirnpartien betroffen sind. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Symptomen der Demenz.

Zu den primären Symptomen der Demenz zählen:

Konzentrationsstörungen, der Betroffene hat Schwierigkeiten sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren, Telefonate fallen kurz und abgehackt aus, in der Zeitung zu lesen fällt schwer, weil der Kontext nicht mehr verstanden wird.

Die Merkfähigkeit lässt nach, der Demenzkranke kann sich einfachen Dinge im Alltag nicht mehr merken. Er weiß nicht mehr was er Einkaufen wollte und die Telefonnummer seiner Tochter oder Sohn ist ihm auch entfallen. Einfache Dinge, wie einen Kuchen backen, eine Mikrowelle einschalten, werden zu unüberwindbaren Hürden.

Gedächtnisstörungen, der Fachbegriff lautet Amnesie, gehen so weit, dass sich der Patient nicht mehr erinnern kann, was er gerade getan hat. Er weiß nicht, ob er heute Morgen schon gefrühstückt hat, oder ob er seine Kinder schon angerufen hat, vergisst Termine und Verabredungen, vergisst Namen, vergisst Gegebenheiten aus seiner Kindheit oder von Früher. Dies kann soweit fortschreiten, dass sich der Betroffene nur noch Bruchstückhaft oder gar nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern kann.

Desorientierung ist ein weiteres primäres Symptom, das unterteilt wird in zeitliche, räumliche, örtliche und der Desorientierung in der Person. Bei der zeitlichen Desorientierung weiß der Erkrankte oft nicht mehr, ob es morgens, mittags oder abends ist. Auch wird Tag und Nacht durcheinander gebracht, es kann vorkommen, dass der Betroffene nachts die Wohnung verlässt und nicht mehr weiß, wo er ist, ziellos umherwandert und nicht mehr zurück findet. Oder er weiß nicht mehr, in welcher Zeit er lebt und wartet auf Ereignisse wie zum Beispiel die eigene Hochzeit, oder den 50. Geburtstag, die längst vergangen sind.

Bei der räumlichen Desorientierung findet sich der Erkrankte erst in öffentlichen Räumen, wie zum Beispiel Behörden oder Krankenhäusern, in Cafés, bei fortschreitender Erkrankung in seiner eigenen Umgebungen nicht mehr zurecht.
Die örtliche Desorientierung zeigt sich, dass der Demenzkranke gewohnte Wege nicht mehr findet oder erkennt, Straßennamen sind plötzlich völlig fremd, er findet allein nicht mehr nach Hause.

Hinzu kommt die Desorientierung der Person, der Erkrankte erinnert sich nicht mehr an Personen, die er nicht regelmäßig sieht oder die er früher nicht gekannt hat. Später werden auch Angehörige, wie Ehepartner und Kinder nicht mehr erkannt und nach Fortschreiten der Erkrankung weiß die Person selbst nicht mehr, wer er oder sie ist.

Wahrnehmungsstörungen, bei der Demenz in Fachkreisen Agnosie genannt, sind weitere primäre Symptome. Unfähigkeit bekannte Gegenstände zu erkennen, obwohl die Organe funktionieren. Dies können auch Störungen, bei den Sinneseindrücken sein, wie Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, die im Gehirn nicht mehr richtig verarbeitet werden.
Das Sehen verändert sich, das Sichtfeld wird eingeschränkter und es können Schatten wahrgenommen werden, wo keine sind.

Auch das Hören wird in Mitleidenschaft gezogen, Geräusche können von dem Betroffenen nicht mehr zugeordnet werden. Das alles kann verwirrend sein und Angst machen.
Wenn das Schmecken betroffen ist, beklagt sich der Demenzkranke meist über zu fades Essen, weil er nicht mehr in der Lage ist, die Feinheiten zu differenzieren.

Auch der Geruchssinn lässt deutlich nach, der Duft von Blumen, der Wohlgeruch von frisch gekochtem Essen, der Gestank einer benutzten Toilette, dies alles kann von der Nase nicht mehr erfasst und vom Gehirn nicht mehr verarbeitet werden.

Der Gleichgewichtssinn wird in Mitleidenschaft gezogen, der betroffene Mensch ist beim Gehen auf eine Stütze, ein stützender Arm, einen Stock oder einen Rollator angewiesen.

Bei Fortschreiten der Krankheit, ist der betroffene Mann oder die betroffene Frau nicht mehr in der Lage, Gegenstände zu identifizieren bzw. wiederzuerkennen und ist unfähig, das Wahrgenommene zu benennen.

Manche Patienten haben mit Sprachstörungen zu kämpfen. In der Medizin als Aphasie bekannt. Das Verschlucken von Silben, Lautentstellungen, das Kommunizieren im Telegrammstil gehören zum Krankheitsbild. Das Sprachverständnis wird in Mitleidenschaft gezogen. Der Verlust der Umsetzung, was ein Wort bedeutet ist für die fortgeschrittene Demenz charakteristisch. Der Betroffene benutzt willkürlich Wörter, die mit dem Zusammenhang nichts zu tun haben, es folgen Sätze ohne Sinn. Trotzdem glaubt der Betroffene sich verständlich zu machen und ist vielleicht wütend, wenn man ihn nicht versteht.

Störungen von motorischen Handlungsabläufen, in Fachkreisen Apraxie genannt, gehören zum Krankheitsbild. Die Unfähigkeit bestimmt Bewegungen auszuführen, obwohl die Organe nicht beeinträchtigt sind. Zielgerichtete Bewegungsabläufe können nur noch mit großer Anstrengung ausgeführt werden. Ein Beispiel: Der Betroffene will nach einer Tasse greifen, die auf dem Tisch steht, zielt, greift danach und zuckt unkoordiniert zurück.

Bei Störungen des motorischen Ablaufes des Gesichtsfeldes kann es zu willkürlichen Augenschlüssen kommen, die Mimik kann auch betroffen sein.

Bei fortschreitender Demenz können die motorischen Störungen zur zunehmenden Steifheit am ganzen Körper führen. Der Gang wird kleinschrittiger, schlurfend und breitbeiniger. Kleine Unebenheiten im Boden, wie zum Beispiel Teppichkanten, können zu Sturzgefahren werden.

Auch Störungen des abstrakten Denkens, der Abstraktionsfähigkeitsverlust, gehören meist zum Bild einer Demenzerkrankung. Das Verständnis für Wörter und bestimmte Begriffe lässt zunehmend nach. Der Patient versteht meist nicht mehr, worüber man mit ihm spricht. Der Betroffene hat Schwierigkeiten sich klar verständlich zu machen, benutzt immer weniger Wörter, bleibt lange bei dem selben Thema und das Einlassen auf neue Gesprächsthemen fällt ihm schwer. Er ist nicht mehr in der Lage eine Telefonnummer der Reihenfolge nach richtig zu wählen.

Hinzu kommen Störungen der Urteilskraft, die in der Fachsprache Assessment-Störungen heißen. Hier hat der Patient Probleme, Situationen richtig einzuschätzen und zu beurteilen, wodurch es immer schwerer für ihn wird, die Anforderungen des Alltag zu bewältigen.

Die sekundären Symptome der Demenz:

Die Persönlichkeitsstörung gehört zu den sekundären Symptomen der Demenz. Der Patient weißt Charaktereigenschaften auf, die in ihrer Intensität, ihrer Dauer und ihrem Inhalt deutlich von der Norm abweichen. Der Betroffene ist öfters traurig, aufgewühlt und teilnahmslos. Häufiges Weinen, unbegründete Wut und Teilnahmslosigkeit wird des weiteren beobachtet.

Stimmungsschwankungen, in Fachkreisen affektive Störung genannt, gehören auch zu den sekundären Symptomen. Diese zeichnen sich aus durch plötzlichen und raschen Wechsel der Stimmungslage, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Wobei es sich hierbei um unangemessen starke, intensive und vor allem unpassende Stimmungsschwankungen handeln kann.

Die Depression gehört mit zu den sekundären Symptomen. Die Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der es häufig zu Schwankungen der Stimmung und des Antriebs kommt. Der Erkrankte ist sich der Überforderung bei der Bewältigung der alltäglichen Anforderungen manchmal völlig im Klaren und gerät deshalb oft in emotionale Tiefs, woraus eine Depression entstehen kann. Er verliert das Interesse am Leben, bleibt in seiner gedrückten Stimmung, wird traurig, ist hilflos, Ängste und Schuldgefühle können nicht bewältigt werden, es folgt der Rückzug und er fällt in Antriebslosigkeit.

Angst ist ein weiterer Faktor der sekundären Symptomen der Demenz. Der Erkrankte hat zum Beispiel Angst vor dem Alleinsein, Angst vor der Dunkelheit, Angst vor der Hilflosigkeit und dem Nichtwissen.

Aggressivität ist ein weiteres sekundäres Symptom der Demenz. Manche Betroffene werden aggressiv mit Worten, andere zeigen ihre Aggressivität in tätlichen Angriffen. Aggressivität hat meist eine Ursache, es kann sein, dass der Patient unter starken Schmerzen leidet und deshalb so übel gelaunt ist.

Wahnvorstellungen sind ein weiteres Beispiel der sekundären Symptome. Der Demenzkranke sieht Dinge, die nicht da sind. Die häufig vorkommenden Wahnvorstellungen sind Vergiftungsideen, der Bestehlungs- und der Verarmungswahn, aber auch der Verfolgungswahn, der Eifersuchtswahn und der hypochondrische Wahn nehmen im Alter zu.

Psychische und motorische Unruhe gehören auch zu den sekundären Symptomen der Demenz. Der Betroffene hat das Gefühl der inneren Unruhe, das Gefühl ständig etwas tun zu müssen, das Gefühl des getrieben Werdens. Dies äußert sich meist im stundenlangen Umherwandern, oder der Erkrankte neigt zu ständigem Aus- und Umräumen. Oft handelt es sich bei psychischen und motorischen Unruhen um innere Konflikte, Gefühlsspannungen wie Angst und Wut.

Apathie und Indifferenz gehören des weiteren zur sekundären Symptomatik der Demenzerkrankung. Der Betroffene ist teilnahmslos, ist nicht ansprechbar und ist scheinbar gefühllos. Durch eine fehlende Reaktion und Unempfindlichkeit auf alle äußeren Reize und ein Mangel der Erregbarkeit wird die Apathie gekennzeichnet.

Perseverationen sind eine Form der sekundären Symptomatik. Darunter versteht man, das Hängenbleiben an einem Gedanken, bzw. dessen ständige sprachliche Wiederholung auch in unpassendem Zusammenhang. Eine Perseveration kann auch ein beharrliches Wiederholen von Bewegungen sein.

Urin- und Stuhlinkontinenz bilden den Schluss der sekundären Symptome der Demenz. Der Betroffene verliert die Fähigkeit Urin verlustfrei in der Harnblase zu speichern und selbst Ort und Zeitpunkt der Entleerung zu bestimmen. Auch ist er unfähig seinen Stuhlgang oder Winde willentlich zurückzuhalten.

Der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer

Die Alzheimer Erkrankung kann zu Lebzeiten des Patienten nicht festgestellt werden. Es kann nur ein Verdacht auf Alzheimer vom Arzt diagnostiziert werden. Erst mit dem Tod des Betroffenen wird einwandfrei feststellbar, ob bestimmt Eiweißablagerungen im Gehirn nachgewiesen werden können, die die Nervenbahnen erheblich blockiert haben, oder ob sogar abgestorbene Nervenbahnen vorhanden sind. Bei der Demenz ist eine Diagnose nach einem Krankheitsverlauf von 6 Monaten möglich. Erst eine MRT Magnetresonanztomographie bringt wirklich Aufschluss. Der Verlauf der Demenz und der Alzheimer Erkrankung sind unterschiedlich. Bei der Demenz sind Störungen und der Verlust bestimmter Fähigkeiten nicht abhängig von einer gewissen Reihenfolge, sie können durcheinander auftreten. Die Symptome und der Verlauf ist unterschiedlich. Während man bei der Alzheimer Erkrankung von 3 Phasen spricht, die genau in dieser zeitlichen Reihenfolge stattfinden müssen.

Die 1. Phase der Alzheimer Erkrankung ist eine deutliche Orientierungsstörungen in unbekannter Umgebung. Gefolgt vom Verlust der Fähigkeiten bei der Bewältigung komplizierter Sachverhalte. Der Betroffene ist meist nicht mehr in der Lage, einfache Rechenaufgaben zu lösen, oder kann sich an die Zubereiten einer Mahlzeit nicht mehr erinnern. Später wendet sich der Betroffene von seinen Nachbarn, Freunden und Verwandten ab, soziale Kontakte werden gemieden, um das eigene Fehlverhalten zu vertuschen. Ein weiterer Punkt sind plötzliche nach außen unverständliche Persönlichkeitsveränderungen, der Erkrankte verdächtigt zum Beispiel unbegründet andere Personen, etwas entwendet zu haben, oder beschuldigt den Ehepartner ihn vergiften zu wollen.

In der 2. Phase der Alzheimer Erkrankung nehmen die allgemeinen Fähigkeiten immer mehr ab. Eine Störung der motorischen Handlungsabläufe, Apraxie genannt, bei der der Erkrankte einfache Dinge, wie zum Beispiel das Zähneputzen oder sich anziehen einfach nicht mehr weiß und nicht mehr ausführen kann. Später wird die Bedeutung von einfachen Dingen, wie der eines Waschlappens oder einer Gabel nicht mehr erkannt. Gleichzeitig kann ein emotionaler Kontrollverlust eintreten, unbewusste und verdrängte Gefühle steigen unkontrolliert auf. Durch starke Aktivität versucht der Patient, seine innere Panik zu bewältigen, daraus ergibt sich die motorische Unruhe.

In der 3. Phase der Alzheimer Erkrankung werden enge Verwandte nicht mehr erkannt, die Sprache wird nicht mehr verstanden und praktische und motorische Handlungen werden nicht mehr beherrscht. Der Betroffene ist nicht mehr in der Lage eine Tasse zu halten, oder alleine zu essen. Auszehrung und allgemeiner körperlicher Kräfteverfall setzen ein. Eine Bettlägerigkeit ist meist nicht zu vermeiden, dadurch entstehen oft starke Kontrakturen an allen Gliedmaßen. Das bedeutet, das die Gelenke des Patienten in ihrer Funktion und Bewegung eingeschränkt sind, das Ausmaß der Einschränkungen kann bis zur völligen Versteifung reichen.

Die Alzheimer Erkrankung und die Demenz sind noch nicht heilbar, doch können im Anfangsstadium durch Medikamente die Symptome verzögert und gelindert werden. Trotzdem sterben die Patienten eher an den Folgeerkrankungen, als an Alzheimer oder der Demenz.

Wodurch entsteht Demenz?

Eine Demenz kann durch mehrere Faktoren hervorgerufen werden, eine davon sind Eiweißablagerungen im Gehirn, bedingt durch mehrere Faktoren, darunter fällt eine falsche Ernährung, zu wenig trinken, zu Fett essen, Übergewicht. Eine weitere Rolle spielt die Lebensführung, regelmäßiger Konsum von Nikotin, zu viel Alkohol und die Einnahme von Drogen können das Gehirn schädigen. Bluthochdruck ist ein weiterer Risikofaktor. Depressionen, oder die Einnahme von Psychopharmaka können auch eine Demenz zur Folge haben. Auch nicht förderlich sind Strahlentherapien, oder bestimmte Medikamente, etc.. Auch ein vorangegangener Schlaganfall, eine Gehirnblutungen oder Diabetes können eine Demenz zur Folge haben. Bei 40 % der Betroffenen ist die Insuffizienz des Gehirns erblich bedingt.

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